CHRONOS — Arbeitszeit- und Wirtschaftsberatung
 

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Arbeitszeitkonto statt Bereitschaftsdienst?

Sie sind hoch im Kurs: Arbeitszeitkonten. Da verwundert es nicht, dass sie auch als Alternative zum Bereitschaftsdienst gehandelt werden.

Aber:
Sind sie das wirklich?

Wer ein wenig näher hinschaut, stellt schnell fest, dass das eine nichts mit dem anderen zu tun hat. Bereitschaftsdienst ist eine organisatorische Maßnahme, um Arbeitskraft zu bestimmten Zeiten bereit zu stellen. Das Arbeitszeitkonto dagegen verbucht nur gearbeitete Zeiten und sorgt – wenn es gut konstruiert ist – dafür, dass Zeitguthaben und –schulden wieder ausgeglichen werden. Ob eine Ärztin oder ein Pfleger zu bestimmten Zeiten greifbar ist – darüber sagt es nichts aus.

Deshalb ist die Überlegung, das Konto dem Bereitschaftsdienst gegenüber zu stellen wenig hilfreich. Das heißt nicht, dass die Diskussion um Konten überflüssig ist – im Gegenteil. Das Konto hilft aber nicht aus der Falle heraus, in die sich viele Branchen durch die rechtswidrige Praxis des Bereitschaftsdienstes selber gebracht haben.
Die Lücke, die jetzt entstanden ist können tatsächlich wohl nur Schichtsysteme füllen.

Wie vielfältig und bedarfsgerecht die aussehen können, hat die gewerbliche Wirtschaft seit Jahren gezeigt. Erst langsam nähern sich auch Unternehmen im Gesundheitswesen diesem Thema.
Ein Konto kann parallel dazu die Verwaltung der gearbeiteten Zeiten leisten. Dabei muss darauf geachtet werden, dass es Mechanismen enthält, wie zusätzliche Stunden auch zeitnah ausgeglichen werden. Nur so lässt sich das Ziel eines verbesserten Gesundheitsschutzes realisieren.

Langfristig, also über mehrere Jahre angelegte Konten schaffen das nicht. Sie verschieben die Zeiten der Erholung für erhöhte Belastung in eine ferne, in der Regel nicht absehbare Zukunft. Ob das Versprechen der Freistellung wirklich eingelöst werden kann, steht dabei in den Sternen – und deren Deutung weist eigentlich auf eine demografische Entwicklung hin, die dies wenig wahrscheinlich macht.


   

Quintessenz:

Die Einführung von Arbeitszeitkonten steht wohl auf der Tagesordnung, kann aber den Bereitschaftsdienst nicht ersetzen.
Und: Betriebsräte sind gut beraten, bei Konten darauf zu achten, dass der Zeitausgleich auch stattfindet.



Literaturtipp:
Ingo Hamm: Arbeitszeitkonten, Bund Verlag 2003
ISBN 3-7663-3420-4
19,80 €

 
 
 
 
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